1.  Das Aufnahmeobjektiv

            Für die Aufnahme wird äquivalent zum ehemaligen Kleinbildbereich eine Brennweite zwischen 85 und 135 mm angesehen, da so Verzeichnungen vermeidbar sind  und der Hintergrund unscharf eingestellt werden kann.

Für den Außenbereich empfehle ich eine etwas längere Brennweite (200 mm), um den evtl. störenden Hintergrund mit Sicherheit unscharf erscheinen zu lassen. Aus diesem Grund ist es immer angebracht, mit möglichst großen Blenden zu arbeiten. Allerdings spricht nichts dagegen auch mit Weitwinkelobjektiven zu experimentieren.

•     Hinweis: Es muss immer auf die Augen scharfgestellt werden (Achtung: AF-Kameras!!).

Allerdings . . . , wer experimentiert, muss die Regeln, die er beherrscht,  brechen. Das gilt für alle folgenden Hinweise.
 

2. Die Belichtung

            Es empfiehlt sich eine möglichst kurze Belichtungszeit, um unscharfe Aufnahmen zu vermeiden. In einem Studio muss wegen Lichtmangels mit dem Stativ gearbeitet werden.

Falls Spotmessung zur Verfügung steht, ist die Belichtung auf die dunkelste Stelle , die noch Durchzeichnung aufweisen soll, abzustimmen.

 Sonst gelten folgende Regeln:

  • Das Motiv weich beleuchten = nach Messung belichten
  • Das Motiv kontrastreich beleuchten = Belichtungskorrektur +1 bis +1,5.

Belichtungsserien sind sinnvoll, um Erfahrungen zu sammeln.

•     Die Belichtung bestimmt die Bildgestaltung!

Das ideale Licht für das Porträtieren ist weiches Licht von vorne, ein indirektes Vorderlicht, erreichbar z.B. durch direkte Bestrahlung einer weißen Fläche, die wieder ihr Licht frontal auf das Gesicht lenkt. Dieses Licht verdeckt Hautunebenheiten, es schmeichelt.

Bei kontrastreicher Beleuchtung könnte man evtl. knapp belichten, so dass nur die hellsten Stellen deutlich werden.

Es könnte auch lediglich der Hintergrund beleuchtet werden, die Person wird als Schattenriss zu sehen sein.

Varianten aller Art sind möglich, das “Spielen” mit Spotlicht bietet noch mehr Möglichkeiten.

Es muss immer ein Grauton für die Haut berücksichtigt werden. Für mich ist eine adäquate Umsetzung des Hauttones wichtiger als die Kleidung oder das Haar. Besondere Bedeutung erhält der Hautton aber, wenn er entweder das Hellste (dunkle Kleidung, dunkler Hintergrund) oder das Dunkelste (helle Kleidung ...) im Bild ist.

Es sollten allerdings auch die Möglichkeiten der Vergrößerungstechnik  berücksichtigt werden.
 

3.  Der Hintergrund

            Helligkeit bedeutet Weite und Ferne, Dunkelheit Nähe und Enge.

Auf Kleidung und Haarfarbe achten. Uns steht weißer, grauer und schwarzer Hintergrundkarton zur Verfügung, viel mehr Möglichkeiten bietet unser Studio leider noch nicht. Allerdings lassen sich damit schon wesentliche Gestaltungsmerkmale (s.o.) verwirklichen.

•     Schön sind auch kreative Hintergründe, die z.B. durch Projektionen (Diaprojektor!)

       möglich sind. 

4. Der Motivausschnitt

            Der Kopf kann komplett abgebildet werden, er kann aber auch so stark beschnitten werden, dass nur noch das Minimum Augen und Mund sichtbar sind.

Allerdings besteht bei uns die Möglichkeit einer späteren Korrektur oder das Experiment in der Dunkelkammer. Vielleicht sollte deshalb der Ausschnitt nicht so knapp gewählt werden.
 

5.  Die Perspektive

            Die Experimentierlust unterliegt keinen Grenzen, von unten - von oben -  , alles ist möglich. Um eine sichtbare Wirkung zu erreichen, muss in diesen Fällen mit einer kürzeren, Verzeichnung verursachenden, Brennweite gearbeitet werden.
 

6. Die  Augenhaltung

            In der Regel sollte in die Kamera geschaut werden! Der Betrachter fühlt sich angeschaut und angezogen. Aber: Experimente laden ein!
 

7. Die Vorbereitung

•     Eine gute Vorbereitung bedeutet 90 % Erfolg!

            Für Porträtsitzungen muss genügend Zeit eingeplant werden. Es darf dabei nicht mit Filmmaterial „geknausert“ werden. Lieber ein Foto zu viel als eins verpasst.

Wichtig ist:

•     Die zu Fotografierenden müssen über den Aufnahmeplan informiert werden, damit sie

       mitspielen können.

•       Die Sitzung muss gut geplant sein. Alle vorher gemachten Angaben müssen beachtet

       werden. Sinnvoll sind auch Vorgespräche über Kleidung und Position des

         Aufzunehmenden.
•       Requisiten (Spiegel, Gläser, Tücher, Hüte, Schirm . . .) müssen bereitgestellt sein.

Wer im Foto unsympathisch erscheint ist selber schuld? Ich glaube, dass der Fotograf der auslösende Faktor ist, der ein Lächeln, Lachen Schmunzeln ... zustande bringt. Lächelnde Menschen wirken sympathisch. Allerdings wird man nach kurzer Zeit feststellen, dass nicht alle Modelle leicht zu fotografieren sind, nicht alle haben Talent zum Posieren!
 

8.  Auf das Porträtieren einstimmen

            Jede Person, die porträtiert wird, ist am Anfang befangen. Der Fotograf muss diese Befangenheit abbauen. Eine Möglichkeit bietet das Gespräch, eine entspannende Umgebung, Musik, Hinweise, was sie mit den Händen und Armen tun soll. . .  .

Mit der Hand kann der zu Porträtierende dirigiert werden: „Bitte folge mit dem Kopf meiner Hand“ - „Bitte folge meiner Hand nur mit den Augen.“ Ich ziehe es vor, mit einem langen Selbstauslöser zu arbeiten, um den zu Porträtierenden besser beeinflussen und beurteilen zu können.

•     Wichtig ist, dass der Fotograf sich nicht von der zu porträtierenden Person beherrschen

       lässt. Nur er kann eine gute Bildwirkung beurteilen. So sollte man ohne weiteres einige  

                   Fotos machen, bis sich die zu porträtierende Person entspannt und den Vorschlägen  

                   offen gegenüber steht.